Versorgungsausgleich

Versorgungsausgleich bei Scheidung: Was wird bei der Rente geteilt?

Bei einer Scheidung geht es nicht nur um die Aufteilung von Vermögen und die Frage des Unterhalts. Auch die während der Ehe erworbenen Renten- und Versorgungsansprüche müssen grundsätzlich zwischen den Ehegatten ausgeglichen werden.

Dieser sogenannte Versorgungsausgleich kann erhebliche Auswirkungen auf die spätere Altersversorgung haben.

Unsere Fachanwälte für Familienrecht beraten Sie zum Versorgungsausgleich, prüfen die ermittelten Rentenanrechte und zeigen Ihnen, welche Gestaltungsmöglichkeiten in Ihrem konkreten Fall bestehen

Was ist der Versorgungsausgleich?

Der Versorgungsausgleich soll sicherstellen, dass die Ehegatten grundsätzlich zu gleichen Teilen an den während der Ehe erworbenen Alters- und Invaliditätsvorsorge beteiligt werden.

Vereinfacht gesagt:

Was während der Ehe an ausgleichspflichtigen Versorgungsanrechten erworben wurde, wird grundsätzlich zwischen den Ehegatten geteilt.

Dabei werden nicht einfach die späteren monatlichen Renten miteinander verglichen. Maßgeblich sind vielmehr die jeweiligen während der Ehezeit erworbenen Anrechte.

Das Gesetz sieht grundsätzlich eine Halbteilung der Ehezeitanteile vor.

Welche Renten und Versorgungen werden ausgeglichen?

Der Versorgungsausgleich kann verschiedene Formen der Alters- und Invaliditätsvorsorge erfassen.

Dazu gehören insbesondere:

  • gesetzliche Rentenversicherung
  • Beamtenversorgung
  • berufsständische Versorgung, beispielsweise bei bestimmten freien Berufen
  • betriebliche Altersversorgung
  • bestimmte private Alters- und Invaliditätsvorsorge
  • entsprechende Versorgungsanrechte im Ausland

Welche Anrechte tatsächlich auszugleichen sind, hängt von der konkreten Versorgung und den gesetzlichen Voraussetzungen ab. Gerade bei mehreren Versorgungsträgern, Betriebsrenten oder privaten Altersvorsorgeverträgen kann die Berechnung kompliziert werden.

Für den Versorgungsausgleich ist die gesetzlich definierte Ehezeit entscheidend.

Sie beginnt grundsätzlich am ersten Tag des Monats der Eheschließung und endet am letzten Tag des Monats vor Zustellung des Scheidungsantrags.

In den Versorgungsausgleich werden grundsätzlich die Anrechte einbezogen, die innerhalb dieser Ehezeit erworben wurden. 

Beispiel

Sie haben am 15. Mai 2010 geheiratet und der Scheidungsantrag wird Ihrem Ehepartner am 20. August 2026 zugestellt.

Dann beginnt die Ehezeit für den Versorgungsausgleich am:

1. Mai 2010

und endet am:

31. Juli 2026.

Entscheidend ist daher nicht allein die tatsächliche Dauer des Zusammenlebens oder der Zeitpunkt der Trennung.

ngen würde.

Was passiert mit meinen Rentenpunkten?

Bei der gesetzlichen Rentenversicherung wird der während der Ehezeit erworbene Anteil grundsätzlich geteilt.

Hat beispielsweise ein Ehegatte während der Ehe deutlich mehr Rentenanrechte erworben als der andere, wird der entsprechende Ehezeitanteil grundsätzlich hälftig ausgeglichen.

Wichtig ist dabei: Der Versorgungsausgleich bedeutet nicht einfach, dass später eine bereits laufende Rente „halbiert“ wird. Vielmehr werden die jeweiligen Anrechte nach den gesetzlichen Regeln bewertet und anschließend ausgeglichen.

Die Versorgungsträger ermitteln den Ehezeitanteil und den entsprechenden Ausgleichswert. 

Kurze Ehe: Wann findet kein Versorgungsausgleich statt?

Bei einer Ehezeit von bis zu drei Jahren findet der Versorgungsausgleich grundsätzlich nur statt, wenn einer der Ehegatten dies beantragt.

Das kann insbesondere bei einer kurzen Ehe von Bedeutung sein. 

Ob ein Antrag sinnvoll ist oder welche Folgen ein Verzicht beziehungsweise eine anderweitige Regelung hat, sollte allerdings immer anhand der individuellen Versorgungs- und Vermögenssituation geprüft werden.

Kann man auf den Versorgungsausgleich verzichten?

Ja. Ehegatten können Vereinbarungen über den Versorgungsausgleich treffen.

Sie können den Versorgungsausgleich beispielsweise:

  • ganz oder teilweise ausschließen,
  • anders gestalten,
  • mit einer Regelung über die ehelichen Vermögensverhältnisse verbinden oder
  • bestimmte Ausgleichsansprüche für die Zeit nach der Scheidung vorsehen.

Allerdings sind solche Vereinbarungen nicht völlig frei gestaltbar. Das Gesetz sieht besondere Anforderungen an Form und Wirksamkeit vor. Eine Vereinbarung, die vor der rechtskräftigen Entscheidung über den Wertausgleich geschlossen wird, muss grundsätzlich notariell beurkundet werden. Das Familiengericht ist unter den gesetzlichen Voraussetzungen an eine wirksame Vereinbarung gebunden. 

Deshalb sollte ein Verzicht auf den Versorgungsausgleich nicht ohne vorherige rechtliche Prüfung erklärt oder vereinbart werden.

Wann kann der Versorgungsausgleich ausgeschlossen werden?

Neben einer Vereinbarung der Ehegatten sieht das Gesetz weitere Fälle vor, in denen ein Anrecht nicht oder nicht vollständig im Wertausgleich bei der Scheidung berücksichtigt wird.

Beispielsweise können bestimmte Anrechte nicht ausgleichsreif sein. Auch geringfügige Anrechte können unter den gesetzlichen Voraussetzungen vom Ausgleich ausgenommen werden. 

In besonderen Ausnahmefällen kann der Versorgungsausgleich außerdem wegen grober Unbilligkeit beschränkt werden oder entfallen.

Hierfür gelten jedoch hohe Anforderungen. Ein bloß als ungerecht empfundenes Ergebnis reicht grundsätzlich nicht aus.

Was passiert mit einer Betriebsrente?

Betriebliche Altersversorgungen können ebenfalls dem Versorgungsausgleich unterliegen.

Dabei gelten teilweise besondere Bewertungsregeln. Der Versorgungsträger muss den während der Ehezeit erworbenen Anteil bestimmen und den entsprechenden Ausgleichswert mitteilen. 

Gerade bei Betriebsrenten lohnt sich deshalb eine genaue Prüfung.

Dies gilt insbesondere, wenn:

  • mehrere Arbeitgeber vorhanden waren,
  • verschiedene Betriebsrenten bestehen,
  • ein Anrecht bereits teilweise ausgezahlt wird,
  • die Versorgung aus einem ausländischen Versorgungssystem stammt oder
  • die Berechnung des Versorgungsträgers Fragen aufwirft.

Interne oder externe Teilung?

Der Versorgungsausgleich kann auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden.

Bei der internen Teilung erhält der ausgleichsberechtigte Ehegatte grundsätzlich ein eigenes Anrecht beim jeweiligen Versorgungsträger.

Eine externe Teilung kommt dagegen nur unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen in Betracht.

Welche Form des Ausgleichs durchgeführt wird, hängt unter anderem von der Art des jeweiligen Versorgungsanrechts und den gesetzlichen Voraussetzungen ab.

Was passiert, wenn die Berechnung des Versorgungsträgers falsch ist?

Im Scheidungsverfahren holen die Familiengerichte Auskünfte bei den jeweiligen Versorgungsträgern ein.

Die Angaben des Versorgungsträgers sollten dennoch nicht ungeprüft übernommen werden.

Fehler können beispielsweise entstehen, wenn:

  • Versicherungszeiten fehlen,
  • ein Versorgungsträger nicht berücksichtigt wurde,
  • Ehezeitanteile falsch berechnet wurden,
  • ausländische Versorgungen betroffen sind,
  • Betriebsrenten nicht richtig bewertet wurden oder
  • besondere Veränderungen des Anrechts nach dem Ende der Ehezeit zu berücksichtigen sind.

Das Gesetz sieht für die Ehegatten entsprechende Auskunftspflichten und Auskunftsansprüche vor. 

Eine anwaltliche Prüfung kann deshalb insbesondere bei umfangreichen oder ungewöhnlichen Versorgungsanrechten sinnvoll sein.

Versorgungsausgleich bei Scheidung: Warum eine Beratung sinnvoll ist

Der Versorgungsausgleich wirkt sich möglicherweise erst viele Jahre nach der Scheidung finanziell aus.

Eine scheinbar kleine Differenz bei den heute ausgewiesenen Rentenanrechten kann deshalb langfristig erhebliche Bedeutung haben.

Wir prüfen für Sie insbesondere:

  • welche Versorgungsanrechte vorhanden sind,
  • welche Anrechte in die Ehezeit fallen,
  • ob die Berechnungen der Versorgungsträger plausibel sind,
  • ob besondere Regelungen oder Ausschlussgründe bestehen,
  • ob eine Vereinbarung über den Versorgungsausgleich sinnvoll sein kann und
  • welche Auswirkungen der Versorgungsausgleich auf Ihre spätere Altersversorgung haben kann.

Versorgungsausgleich und Scheidungsfolgenvereinbarung

Nicht immer ist es sinnvoll, den gesetzlichen Versorgungsausgleich unverändert durchzuführen.

In bestimmten Fällen kann eine individuelle Regelung zwischen den Ehegatten sinnvoll sein. Dies gilt beispielsweise dann, wenn gleichzeitig andere Vermögenswerte übertragen oder Unterhaltsfragen geregelt werden.

Eine solche Vereinbarung sollte jedoch immer insgesamt betrachtet werden.

Ein Verzicht auf Rentenanrechte kann beispielsweise nur dann sinnvoll sein, wenn die dadurch entstehenden Nachteile durch andere Regelungen angemessen ausgeglichen werden.

Wir prüfen deshalb nicht nur den Versorgungsausgleich isoliert, sondern auf Wunsch auch das Zusammenspiel mit Zugewinnausgleich, Unterhalt und sonstigen Scheidungsfolgen.

Lassen Sie Ihren Versorgungsausgleich prüfen

Der Versorgungsausgleich kann einen erheblichen Einfluss auf Ihre Altersvorsorge haben. Fehler oder ungünstige Vereinbarungen lassen sich nach Abschluss des Scheidungsverfahrens nicht immer ohne Weiteres korrigieren.

Lassen Sie deshalb Ihre Situation frühzeitig prüfen.

Unsere Fachanwälte für Familienrecht beraten Sie zum Versorgungsausgleich und zu den weiteren Folgen Ihrer Scheidung.

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